Stadt gegen Land – Wann eskaliert der Konflikt?

Differenzen zwischen Stadt und Land existieren, seit es diese gibt. Doch wie erklären sich diese kulturellen Unterschiede und warum werden die gesellschaftlichen Probleme, welche sich aus diesen ergeben immer signifikanter? Welche Gefahren ergeben sich für Nationen und Demokratien wenn man den rasant fortschreitenden Prozess analysiert?

Um das zu verstehen muss man wissen welche kulturellen Unterschiede sich zwischen Stadt und Land entwickelt haben. Auf dem Land war stets das produzierende und in der Stadt das verarbeitende Gewerbe. Dies hat neben der höheren Bevölkerungsdichte in den Städten unterschiedliche Mentalitäten in der Bevölkerung zur Folge. Während die Städte in den letzten Jahrhunderten statistisch nicht mit dem Land vergleichbar waren, hat aber die enorme Landflucht seit der Industrialisierung dazu geführt, dass Großstädte und Metropolen entstanden sind, deren statistische Relevanz immer relevanter wurden.

Diese Veränderung ist das Produkt der Bevölkerungsexplosion seit der Industrialisierung – zum Vergleich; große Städte mit mehr als 1.000 Einwohnern gab es im 14. Jahrhundert in Deutschland nur etwa fünfzehn. Köln hatte nur ca. 30.000 Einwohner, Augsburg und Nürnberg hatten noch nicht mehr als 20.000 Einwohner und Frankfurt am Main 9.000. Gleichzeitig wurden immer weniger Arbeitskräfte auf dem Land benötigt. Im Jahr 1860 haben ca. 60% der Menschen der Industrieländer in der Agrarwirtschaft gearbeitet, während es heute weniger als 1% sind. Viele Arbeitsplätze haben sich darum in die Stadt verlagert. Ein weiter Faktor welcher diesen Prozess beschleunigt hat, ist die rasante Entstehung von Großkonzernen, denn diese zentralisierten viele Arbeitsplätze in die Städte und die mittelständischen Betriebe auf dem Land verloren immer mehr an Bedeutung.

Aus dieser demographischen Veränderung heraus werden die Unterschiede zwischen Stadt und Land immer relevanter für die gesamte Nation, denn auf nationaler Ebene haben sich in den neu entstandenen Großstädten kulturelle Enklaven gebildet, welche zwar abhängig sind von der Nahrungsversorgung durch die Landbevölkerung aber aufgrund unterschiedlicher Mentalitäten keinen gemeinsamen kulturellen Bezug mehr zum Land haben. Dies wurde zusätzlich durch die Migration aus dem Ausland gefördert.

Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land zeigte sich am deutlichsten bei Wahlen. Während auf dem Land vergleichsweise eher konservativ gewählt wird, existiert in den Großstädten eine andere Mentalität. Das erklärt auch die hohe Zahl an linken Bürgermeistern.

Beim britischen Referendum zum Verbleib in der Europäischen Union ist dieser Konflikt besonders deutlich geworden; während die Konzerne der multikulturellen Großstädte von der Globalisierung wirtschaftlich profitieren, leidet die Landbevölkerung und muss zusehen wie ihre Mittelschicht in Gegenwart des globalen Wettbewerbes zunehmend an Bedeutung verliert und die Migration die Löhne drückt. Der Brexit war ein klares ‚Nein‘ der Landbevölkerung zu mehr Globalisierung und Multikulturalität – ganz zum Ärger von Megacitys wie London wie diverse Proteste gezeigt haben. Auch in den USA wird dieser Prozess zunehmend deutlich, dort haben sich so genannte ‚Sanctuary Citys‘ entwickelt die sich aktiv und öffentlich die Politik der nationalen Regierung entgegenstellen.

Diese unterschiedlichen Mentalitäten zwischen Stadt und Land sind Zündstoff für zukünftige Konflikte und können dazu führen, dass die Großstädte – sobald sie mächtig genug sind – früher oder später ihre Unabhängigkeit erklären. Dieser laufende Prozess gefährdet die Stabilität ganzer Nationen und darf nicht einfach ignoriert werden. Entweder muss ein Weg gefunden werden die kulturelle Einheit wieder herzustellen, oder ein Weg für einen Übergang zu unabhängigen Freistädten gefunden werden, der nicht in gewalttätigen Konflikt und nationale Destabilisierung mündet.

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