Mentale Gesundheit

Die Reichtumsverteilung in einem materialistischen Wertesystem definiert sich durch den Vergleich eines Individuums mit einer Gruppe, welche innerhalb der kulturellen Akzeptanz als höherwertig angesehen wird.

Ist die Reichtsumsverteilung ungleich, so gibt dies dem benachteiligten Individuum ein Gefühl von Wertlosigkeit. Minderwertigkeitsgefühl, Depressionen, Drogenkonsum und vieles mehr sind die Folge von relativer Armut – also Armut welche relativ zum Reichtum eines anderen ist. Relative Armut verringert das Selbstwertgefühl und ein geringeres Selbstwertgefühl führt zu einem schlechteren Immunsystem und der Heilfähigkeit des Körpers. Es kann zudem zu einer Folgekette führen, welche in zerstörerisches und asoziales Verhalten über geht. Ein solches Verhalten ist nicht genetisch, oder anerzogen, es ist vielmehr die kausale Folgekette von struktureller Armut in Verbindung mit reichen Menschen im Umfeld oder Fernsehen – also relativer Armut – was zu einem geringerem Selbstwertgefühl führt. Diese Folgekette verlagert sich anschließend auf die Entwicklung der Kinder, wenn ein oder beide Familienanteile aufgrund von Armut nicht erziehungsfähig sind und die Kinder aus diesem Grund ebenfalls in Armut aufwachsen müssen.

Das eindeutigste Beispiel hierfür sind die unterschiedlichen Gesellschaftsklassen, welche bis heute noch existieren. Obgleich es der niederen Klasse in Europa heute wirtschaftlich besser geht, als beispielsweise im Mittelalter führen die aktuellen Klassenunterschiede immer noch zu komplexen und gesellschaftlichen Schäden. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland zur Behandlung depressiver Störungen etwa 4 Milliarden Euro ausgegeben (direkte Krankheitskosten). Der Anteil der Kosten für Medikamente an den gesamten direkten Kosten beträgt etwa 4 bis 11 Prozent. Es lässt sich somit sagen dass die Höhe der Klassenunterschiede in Relation zu der Gesundheit einer Gesellschaft stehen. Der soziale Status ist somit ein signifikanter Indikator für die geistige und körperliche Gesundheit einer Person.

Sogar bewusst wahrnehmbarer Status wie die sozialen Kasten in Indien haben direkten Einfluss auf Selbstvertrauen, Verhalten und die Talente von Personen. In einer Studie von 2004 wurden die Problemlösungsfähigkeiten von 321 Indischen Jungen von einer geringen Kaste mit 321 Jungen von einer hohen Kaste verglichen. In der ersten Runde wurde die Kaste nicht mitgeteilt und das Ergebnis war zwischen beiden Gruppen sehr gleichwertig. Nachdem in der zweiten Runde jedoch der soziale Status mitgeteilt wurde, verschlechterte sich die Leistung der zweiten Kaste signifikant. Menschen werden sehr stark von ihrem sozialen Status beeinflusst und häufig wenn sie als minderwertig angesehen werden, erbringen sie auch eine minderwertigere Leistung und andersrum.

„Although people with mental illness sometimes have changes in the levels of certain chemicals in the brain, nobody has shown that these are causes of depression, rather than changes caused by depression…although some genetic vulnerability may underlie some mental illness, this can’t by itself explain the huge rises in illness in recent decades – our genes can not change that fast.“ Richard Wilkinson

Letztlich muss man sich die den klaren Zusammenhang zwischen psychologische Gesundheit und Reichtumsverteilung erkennen, weil dieser Einfluss in sehr viele Bereiche geht. Unser sozialer Status hat einen signifikanten Einfluss auf unsere mentale Gesundheit. Genauso wie dies bei unseren nächsten Verwandten den Primaten der Fall ist. Eine Studie von 2002 mit Makake Affen ergab, dass die niederrangigen Affen weniger Dopaminaktivität vorwiesen als die dominanten und sich dies entsprechend anpasste wenn die Affen neu gruppiert wurden und sich die Statuslevel veränderten. Das beweist, dass es hierbei keinen genetischen Einfluss gab und nur die soziale Position in der Gruppe relevant war, denn die Dopaminausschüttung steht in direkter Verbindung mit Depressionen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Minderwertigkeitsgefühl zu Drogenkonsum führt. Die bereits genannte Studie von 2002 mit Affen in Verbindung mit ihrer Gehirnchemie sowie sozialem Status ergab, dass die Affen welche dominant in der Gruppe waren einen höheren Dopaminanteil im Gehirn besaßen als die niedriger gestellten Affen. Nachdem den Affen in der Studie Cocain präsentiert wurde, führte dies dazu, dass die niedriger gestellten Affen einen wesentlich höheren Cocain Konsum hatten als die höher gestellten. Drogenkonsum ist also eine Form von Selbstmedikamentisierung als Ausgleich. Minderwertigkeitsgefühl äußert sich in Verhaltensreaktionen und Tendenzen wie Gewalthandlungen, Misshandlung, Depressionen, Angstgefühle und Persönlichkeitsstörungen. Der Trend von Depressionen und Angststörungen in entwickelten Ländern, obgleich man doch denkt dass es diesen aufgrund von mehr materialistischem Besitz als in der ‚Dritten Welt‘ besser gehen müsste, zeigt eine andere Realität. Eine britische Studie, welche sich mit Depressionen beschäftigt zeigt auf dass diese Fälle sich von 1958 auf 1970 verdoppelt haben. Eine amerikanische Studie fand heraus, dass sich die Zahl der Angststörungen seit 1930 verfünffacht hat. Eine Studie von 2011 der American Psychological Association zeigt dass die Mentalen Krankheiten bei Studenten im Vergleich zu vor 10 Jahren zu genommen haben. Auch wenn es einzelne Fälle von genetisch bedingter Depression gibt, zeigen diverse Studien dass die Umwelt einer Person eindeutigen Einfluss auf die mentale Gesundheit einer Person hat. Es ist somit offensichtlich, dass Stressfaktoren wie Einkommenssicherheit und Verschuldungssituation eine große Rolle spielen. Die Organisation ‚Equalitytrust‘ hat zu diesem Thema einen Chart erstellt, welcher die Korrelation zwischen mentaler Gesundheit und Reichtumsverteilung verdeutlicht. Mentale Erkrankungen beinhalten hier unter anderem Angststörungen, Stimmungsschwankungen, Impulsstörungen und Suchtverhalten. Es ist offensichtlich, dass die USA, Australien und UK mit der höchsten Einkommensungleichheit auch das höchste Level an mentalen Erkrankungen in ihrem Land haben, während die Länder mit der geringsten Einkommensungleichheit, die wenigsten mentalen Erkrankungen vorweisen. Mehrere Studien verdeutlichen den Trend welcher im jetzigen sozioökonomischen System seinen Lauf nimmt. In 1958 litten in Großbritannien nur halb so viele Menschen unter Depressionen wie 1970. Eine Studie unter 63.700 amerikanischen College Studenten ergab dass sich die Anzahl der Studenten mit Angststörungen seit den 1930ern verfünffacht hat. Eine Studie von 2011 präsentiert von der American Psychological Association zeigt dass Mentale Störungen weiter verbreitet sind als noch vor einer Dekade.

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